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Themen

Der CO₂-Fußabdruck von Produkten

Hersteller und Zulieferer müssen den CO₂-Fußabdruck ihrer Produkte zunehmend belegen – auch kleine und mittlere Unternehmen.

Warum jetzt

Mehr als der Auspuff

Die EU will die CO₂-Emissionen neuer Pkw bis 2035 stark senken. Nach dem Vorschlag der Kommission von 2025 sollen es 90 % statt 100 % sein; die restlichen 10 % sollen ausgeglichen werden, etwa durch CO₂-armen Stahl oder alternative Kraftstoffe. Damit rückt der ganze Lebenszyklus ins Blickfeld: Rohstoffe, Prozesse, Batterien, Energie.

Für die Flotten der Hersteller gelten bis 2029 rund 93,6 g CO₂/km bei Pkw und 153,9 g CO₂/km bei leichten Nutzfahrzeugen, ab 2030 49,5 bzw. 90,6 g. Wer darüber liegt, zahlt 95 € je Gramm und Neufahrzeug. Ab Juni 2026 können Hersteller zudem freiwillig den Fußabdruck ganzer Fahrzeuge nach einer einheitlichen EU-Methode melden.

Für Zulieferer heißt das: Kunden fragen nach dem Fußabdruck einzelner Bauteile – „von der Wiege bis zum Werkstor“ – und zunehmend nach echten Daten statt Durchschnittswerten. Über das Datennetzwerk Catena-X tauschen Hersteller und Zulieferer solche Werte bereits in einem gemeinsamen Format aus.

Methode

In vier Schritten zum Fußabdruck

1. Ziel und Rahmen festlegen

Was wird bilanziert, wofür, und in welchen Grenzen? Meist „von der Wiege bis zum Werkstor“. Dazu die funktionelle Einheit – etwa ein Sitz, der seine Funktion über die Lebensdauer des Fahrzeugs erfüllt.

2. Daten sammeln

Stückliste mit Materialien und Massen, Energie- und Hilfsstoffverbrauch der Prozesse, Transporte, Abfälle. Eigene Messwerte sind Primärdaten; wo sie fehlen, helfen Datenbanken wie ecoinvent oder Base Carbone.

3. Emissionsfaktoren anwenden

Jede zurechenbare Aktivität wird mit ihrem Emissionsfaktor multipliziert: Aktivität (z. B. kWh) × Faktor (kg CO₂e je kWh) = Fußabdruck in kg CO₂e.

4. Auswerten und nutzen

Wo liegen die größten Anteile? Welche Varianten helfen – Rezyklat, andere Prozesse, kürzere Wege? Und wie wird das Ergebnis mit Annahmen und Grenzen an Kunden kommuniziert?

Beispiel

Ein Autositz

Der Umwelt-Campus Birkenfeld hat für einen Autositz eine Fallstudie nach DIN EN ISO 14067 erstellt – „von der Wiege bis zum Werkstor“, mit der Software von greenable und Datenbankwerten aus ecoinvent 3.12 (Februar 2026).

236,68 kg CO₂e je SitzGesamter Fußabdruck, Rohstoffe und Montage

172,48 kg CO₂e · 72,9 %Rohstoffe und Vorverarbeitung

64,20 kg CO₂e · 27,1 %Produktion (Strom der Sitzmontage)

Wo im Material der Fußabdruck entsteht

  1. Elektrische Bauteile 73,28 kg CO₂e · 42,5 %
  2. Metallgestell 39,40 kg CO₂e · 22,8 %
  3. Sitzzubehör 19,17 kg CO₂e · 11,1 %
  4. Polsterschaum 17,27 kg CO₂e · 10,0 %
  5. Kunststoffverkleidung 10,72 kg CO₂e · 6,2 %
  6. Sitzbezug 8,16 kg CO₂e · 4,7 %
  7. Sicherheitsbauteile 3,71 kg CO₂e · 2,1 %
  8. Elastomerteile 0,78 kg CO₂e · 0,5 %

Anteile bezogen auf Rohstoffe und Vorverarbeitung (172,48 kg CO₂e).

  • Fast drei Viertel des Fußabdrucks stecken im Material – das deckt sich mit der Erfahrung der französischen Automobilplattform PFA, nach der Rohstoffe meist mehr als 70 % ausmachen.
  • Der größte Einzelposten sind die elektrischen Bauteile, vor allem durch Kupfer, gefolgt vom Stahlgestell. Hier setzen Materialwahl, Rezyklatanteil und Lieferantendaten an.
  • Der Produktionsanteil besteht hier allein aus dem Strom der Montage. Mit erneuerbarem Strom sinkt er deutlich.

Die Studie ist eine Fallstudie zur Methode mit Datenbankwerten und geschätztem Stromverbrauch, nicht der Fußabdruck eines bestimmten Serienprodukts.

Werkzeuge

Womit man rechnet

greenable

Software für Produkt-CO₂-Fußabdrücke und digitale Produktpässe nach ISO 14067 und GHG Protocol – damit ist das Beispiel oben gerechnet.

openLCA

Freie Software für Ökobilanzen, die mit verschiedenen Datenbanken arbeitet.

CLIMOBIL

Online-Vergleich des Luxembourg Institute of Science and Technology: Treibhausgase von Pkw über den ganzen Lebenszyklus, inklusive der Strecke, ab der ein Elektroauto besser abschneidet.

AWAC-Werkzeug

Werkzeug der wallonischen Agentur für Luft und Klima für die Treibhausgasbilanz von Organisationen nach GHG Protocol – auf Unternehmens-, nicht auf Produktebene.

Unser CO₂-Bilanz-Werkzeug

Der Demonstrator für Prozesse in der eigenen Fertigung, mit Vorlagen für Schweißen, Trocknen und Montage – siehe Demonstratoren.

Ein Leitfaden („Vademecum“) zum CO₂-Fußabdruck von Automobilprodukten mit Vergleich der Werkzeuge ist in Arbeit.

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  • CO₂-Messung
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Re-X: Wiederverwenden, Reparieren, Wiederaufbereiten, Recyceln. DPP: digitaler Produktpass, der Daten zu Material, Herkunft und CO₂ eines Produkts bündelt.

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